Ich bin Stadtführerin hier in Chengdu. Wenn mich Reisende fragen, warum ich diesen Job mache, antworte ich immer: Ich bin einfach unsterblich in meine Stadt verliebt und kann mir nichts anderes vorstellen. Warum ich meine Stadt liebe? Ich liebe den Rhythmus des Lebens hier. Morgens sieht man ältere Menschen in den Parks, die langsam und anmutig Tai Chi üben – ihre Bewegungen so sanft wie das Morgenlicht, das durch den Bambus fällt. Am Nachmittag sind die berühmten Teehäuser der Stadt voll. Die Menschen trinken nicht nur Tee, sondern unterhalten sich mit Freunden, spielen Mahjong (das Klappern der Steine ist die Hintergrundmusik der Stadt!) oder sitzen einfach nur da und beobachten das Treiben. Es ist eine Kultur, die Geselligkeit und Entspannung großschreibt. Und dann ist da natürlich noch das Essen. Meine schönsten Kindheitserinnerungen sind die an die gemeinsamen Familienessen. Der Tisch war voll mit dampfenden Schüsseln Mapo Tofu, köstlichem Hotpot und natürlich Tellern mit unseren weltberühmten Teigtaschen. Der Duft von Sichuanpfeffer und Chili lag stets in der Luft. Es war ein wahres Fest für die Sinne, das ich gleichermaßen beruhigend und aufregend fand. Doch jenseits des Lebensstils und des Essens liebe ich die verborgenen Facetten Chengdus. Die Stadt blickt auf eine über 2300-jährige Geschichte zurück, und diese Geschichte ist lebendig. Man kann sie im strohgedeckten Haus des großen Dichters Du Fu, in den kunstvollen Schnitzereien des Wuhou-Schreins und im alten Bewässerungssystem von Dujiangyan sehen, das noch heute einwandfrei funktioniert. Meine Reise zum Reiseführer begann ganz einfach: Ich liebte es, meinen Freunden und meiner Familie von außerhalb die Stadt zu zeigen. Ich brachte sie zu den Klassikern wie der Panda-Aufzuchtstation – ihre leuchtenden Augen zu sehen, wenn sie zum ersten Mal einen echten Riesenpanda erblickten, war eine unbeschreibliche Freude.